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Deutschordenskirche St. Vitus

St. Veit liegt knapp nördlich des von Ellingen über Dorsbrunn verlaufenden römischen Limes. Die Besiedlung erfolgte wohl im 9. oder 10. Jahrhundert. Die erste Erwähnung haben wir in der Urkunde vom 15. August 1275, in der ein Wolfer, "Kropf von Emetzheim", das Eigentums- und Verleihungsrecht der Kirche von Erlbach "den Brüdern des Deutschen Ordens in Ellingen" übertrug. "Erlbach" oder auch "Untererlbach" war bis ins frühe 16. Jahrhundert der Ortsname für St. Veit. Das älteste Salbuch des Deutschen Ordens nennt in St. Veit neben der Kirche noch fünf weitere Häuser. 1784 errichteten die "Deutschherren" ein neues Schul- und Mesnerhaus.

Im gleichen Zug geht der Landkomtur des Deutschen Ordens Sigismund Freiherr von Lehrbach den Neubau der heutigen St. Vitus - Kirche an. Die Vorgängerkirche, über die uns nicht überliefert ist und die offerbar baufällig oder zu klein geworden war, wurde abgerissen. Am 20. Oktober 1783 hatte von Lehrbach die Entwürfe des Baumeisters Johann Michael Keller aus Schwäbisch Gmünd genehmigt. Der Plan wurde aber nicht ausgeführt. 1786 übertrug der Landkomtur den Neubau der Kirche und des Turms den Baumeister Pickel aus Konstanz, der mit 24 Maurern und einem Palier aus Bregenz anrückte und nach neuen und vereinfachten Plänen die Kirche errichtete. Am Pfingstfest 1788 fand schon die Kirchen- und Altarweihe statt.

Die Schauseite des sonst schlichten Kirchenbaus weist nach Südwesten. Das in heimischen Sandstein ebenmäßig gestaltete Portal zeigt im Giebeldreieck das Wappen des Landkomturs Franz Sigismund Freiherrn von Lehrbach, des Bauherrn der Kirche. Darüber prangt auf verputzter Wand das Wappen des Hochmeisters des Deutschen Ordens Maximilian II. Franz, Erzherzog von Österreich. An der Südostseite befindet sich das Denkmal der Gefallenen des 1. Weltkrieges, ein Sandsteinrelief mit der Darstellung des Deutschordenspatrons St. Georg.

Im Innern bietet sich der klassizistische Bau als geräumige Saalkirche mit Flachdecke dar. Das Kirchenschiff ist 20 m lang und 11,60 m breit. Der Chor ist eingezogen und als Fünfeck angesetzt. Die Seitenwände des Kirchenschiffs sind durch je vier Fenster und Pilaster mit jonischen Kapitellabschluss unterbrochen.


Altar der Ordenskirche St. Vitus

Der Hochaltar ist eine Rokokoanlage und wurde 1755 für die Ellinger Franziskanerkirche geschaffen. Bei deren Profanierung konnte er 1818 erworben und mit den 1788 vom Ellinger Hofschreiner Dominikus Biber geschaffenen Teilen, wie Tabernakel, Antependium, Rahmen für das Altargemälde, als neue Einheit zusammengefügt werden. Zwei Säulen tragen den malerischen Auszug mit dem plastischen Herzen Jesu und Mariä in der Engelsgloriole. Die beiden Vasen rechts und links vollenden die Eleganz der Altarbekrönung. Das nachgedunkelte Hochaltarbild von Franz Ludwig Herrmann aus Konstanz stellt den Kirchenpatron, den jugendlichen heiligen Märtyrer und Vitus im Ölkessel dar. In der Kartusche darüber lesen wir. "St. Vitus, ora pro nobis - Hl. Vitus, bitte für uns." Der Tabernakel mit den anbetenden Engeln (um 1730) wird abgeschlossen vom "Pelikan, seine Jungen mit seinem Blut aus geöffneter Brust nährend, altes Sinnbild des für die Erlösung der Menschen sich hingebenden Heilandes" (Pfleiderer, Attribute der Heiligen, Ulm 1898, S. 124). Die Figuren des heiligen Nikolaus mit drei goldenen Kugeln und der hl. Katharina mit dem Rad links und rechts vom Hochaltar, Anfang 16. Jahrhundert, stammen wohl aus der Vorgängerkirche.

Die beiden Seitenaltäre und die Kanzel schuf auch Dominikus Biber. Über den Altartischen und den in Holz geschnitzten Predellen steht in den Mauernischen je eine Figur vom Bildhauer Leonhard Meyer aus Ellingen: links die Immaculata mit Sternenkranz, in der rechten Hand eine Lilie, und rechts der hl. Jesuitenmissionar Franz Xaver mit Stola, Kreuz und Taufmuschel.

Die klassizistischen Stuckornamente an der Stirnseite des Chorbogens zeigen Embleme der weltlichen (links) und der geistlichen Gewalt (rechts).

Den polygonen Korpus der Kanzel schmücken Reliefbüsten der vier Evangelisten, allerdings ohne ihre Attribute. Unter dem Schalldeckel schwebt die Taube des hl. Geistes. Die Kanzel wird bekrönt von den zwei Tafeln mit den 10 Geboten, dem Kreuz und einer Vase. Auf der Kanzelbrüstung hat sich der Maler Franz Anwander von Landsberg verewigt, der 1788 alle Fassungen in der Kirche besorgte.

Maria in St Vitus
Xaver in St Vitus

Der Taufstein mit dem hl. Johannes dem Täufer stammt aus der Bauzeit der Kirche. er hat 1993 neben dem modernen Opferaltar und dem Ambo von Hans Kreuz aus Herrsching seinen jetzigen Platz neben einfachen Chorgestühl gefunden.

Die zwölf Apostelkreuze mit ihren Leuchtern markieren die zwölf Stellen, an denen das Gotteshaus bei der Kirchenweihe vom Bischof mit dem hl. Chrisam gesalbt wurde. Es sind schwarze Deutschordenskreuze auf weißem Grund im grünen Kreis.

Die zwölf Apostelkreuze mit ihren Leuchtern markieren die zwölf Stellen, an denen das Gotteshaus bei der Kirchenweihe vom Bischof mit dem hl. Chrisam gesalbt wurde. Es sind schwarze Deutschordenskreuze auf weißem Grund im grünen Kreis.

Weitere Figuren auf Sockeln unter der Empore sind links die Madonna auf der Mondsichel (spätes 17. Jahrhundert) und rechts der hl. Vitus (frühes 17. Jahrhundert). Das lebensgroße Kruzifix mit der Madonna an der rechten Kirchenwand, flankiert von vier Putten mit den Leidenswerkzeugen, stammt auch aus der ehemaligen Franziskanerkirche in Ellingen (um 1730).

Die doppelte Empore, ein Kennzeichen fast aller Deutschordenskirchen im hiesigen Raum, stützt sich auf je zwei Säulen mit dorischem Kapitelabschluss. Auf der unteren Empore bilden noch die ursprünglichen von Hand zugehauenen Balken das Gestühl.

Die Orgel auf der zweiten Empore schuf 1863 der Eichstätter Orgelbauer Joseph Bittner. Sie besitzt in klassizistischen Gehäuse zwei Manuale und 10 Register und wurde 1993 vom Orgelbauer Andreas M. Ott aus Bensheim gründlich restauriert.

St. Vitus ist ein Gotteshaus von erhabener Schönheit. Der katholischen Pfarrgemeinde St. Veit mit den Filialen Ramsberg, Walkerszell und Gündersbach ist dies "das Haus Gottes und das Tor des Himmels" (Gen. 28.17).

Text: Johann Schiele (Hörlbach) mit Willibald Brems, Pfr., 1999
Bilder: Friedrich Wagner, Stopfenheim

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Letzte Aktualisierung am 07.02.2012